Sadist oder Masochist? Was hinter der Lust am Schmerz steckt
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Sie stöhnt, als die Gerte trifft – und bittet um mehr. Er genießt es, ihr dabei in die Augen zu sehen. Für Außenstehende klingt das widersprüchlich: Wie kann Schmerz Lust bereiten? Für Sadisten und Masochisten ist es die natürlichste Sache der Welt. Hier erfährst du, was hinter der Lust am Schmerz steckt – und wie du herausfindest, welche Seite in dir schlummert.
Woher kommen die Begriffe?
Die Begriffe gehen auf zwei Schriftsteller zurück: den Marquis de Sade, dessen Romane von der Lust am Quälen erzählen, und Leopold von Sacher-Masoch, der in „Venus im Pelz“ die Lust an der Unterwerfung beschrieb. Daraus entstanden „Sadismus“ und „Masochismus“ – und das Kürzel SM.
Wichtig: Im Kontext einvernehmlicher Sexualität haben diese Begriffe nichts mit Grausamkeit zu tun. Ein Sadist im SM will niemanden verletzen, der es nicht will. Er genießt es, Lust zu bereiten – durch Schmerz, den der andere sich wünscht.
Was treibt einen Masochisten an?
- Der Körper: Schmerz setzt Endorphine und Adrenalin frei. Viele erleben dabei einen rauschhaften Zustand, den sogenannten Subspace.
- Die Hingabe: Schmerz auszuhalten kann ein Geschenk an den Partner sein – und ein Beweis von Vertrauen.
- Das Loslassen: Wer sich ganz auf einen intensiven Reiz konzentriert, vergisst den Alltag. Viele beschreiben das als befreiend, fast meditativ.
- Der Stolz: Mehr auszuhalten als gedacht, kann ein starkes Gefühl sein.
Was treibt einen Sadisten an?
- Kontrolle: Die Intensität zu bestimmen, das Tempo, die Pausen – das ist Macht.
- Die Reaktion: Das Zucken, das Stöhnen, das Betteln. Für viele Sadisten ist der Ausdruck des Gegenübers der eigentliche Reiz.
- Verantwortung: Gute Sadisten lesen ihren Partner genau und wissen, wann es genug ist. Das erfordert Aufmerksamkeit und Feingefühl.

Lust und Schmerz, Geben und Nehmen – im SM gehören beide Seiten zusammen. · Foto: Timofey Radkevich / Unsplash
Und wenn ich beides mag?
Dann bist du ein Switch – und damit in guter Gesellschaft. Viele Menschen genießen je nach Stimmung oder Partner beide Rollen. Außerdem gibt es Menschen, die zwar dominant oder devot sind, mit Schmerz aber wenig anfangen können. Dominanz und Sadismus sind nicht dasselbe, Devotion und Masochismus auch nicht.
So findest du heraus, welche Seite in dir steckt
- Achte auf dein Kopfkino: Erregt dich eher die Vorstellung, zu geben oder zu empfangen?
- Taste dich heran: Leichtes Kneifen, Kratzen oder ein Klaps auf den Po sind ein guter Test – in beiden Rollen.
- Rede darüber: Im anonymen Sadomaso Chat kannst du Fantasien aussprechen und mit Erfahrenen vergleichen, ohne dich festzulegen.
- Probier beide Seiten: Viele entdecken erst durch einen Rollentausch, was ihnen wirklich gefällt.
Die Regeln gelten für beide
Egal ob Sadist oder Masochist: Ohne Einverständnis, Safeword und klare Grenzen gibt es kein SM. Und nach einer intensiven Session brauchen beide Aftercare – auch der Sadist, der nach dem Spiel manchmal ein schlechtes Gewissen oder einen emotionalen Absturz („Drop“) erlebt. Wie ihr euren ersten Abend plant, liest du in Der erste SM Sex.
Fazit: Die Lust am Schmerz ist weder krank noch seltsam, sondern eine Spielart menschlicher Sexualität, die auf Vertrauen beruht. Ob du gern gibst, gern nimmst oder beides: Wichtig ist nur, dass alle Beteiligten es wollen – und es genießen.



